PUBLIKATION: "Eine Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens. Modelle des Zusammenlebens"

ETH Wohnforum

Publikation "Eine Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens. Modelle des Zusammenlebens"

Eine Neuerscheinung aus dem ETH Wohnforum befasst sich mit der Geschichte gemeinschaftlicher Wohnprojekte im 19. und 20. Jahrhundert. Susanne Schmid verfasste die Publikation "Eine Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens. Modelle des Zusammenlebens", die im Oktober 2019 im Birkhäuser-Verlag erschien.
Schmid strukturiert das Material anhand des Teilens von Flächen, also anhand gemeinschaftlich genutzter Räume, ob nun kollektiv oder öffentlich, innen oder außen, und gliedert so die Chronologie in drei Phasen, in die des Teilens als ökonomische Intention (Großwohneinheiten der Frühsozialisten, Ledigenheime und Boardinghäuser, Einküchenhäuser); in die des Teilens als politische Intention (Gartenstädte und Wohnhöfe, Gemeinschaftssiedlungen, Wohnkooperationen); und in die des Teilens als soziale Intention (Wohn- und Kulturprojekte, Großhaushalte und Clusterwohnungen, Co-Living).
Begleitet wird die Darstellung dieser Entwicklung von drei Exkursen: sowjetische Kommunehäuser, kollektives Wohnen in der DDR, Wohngemeinschaften und Hausbesetzungen. Neben vielen Beispielen aus der Schweiz, Skandinavien und Deutschland (sowie ganz Europa) ist auch Wien stark vertreten, vom Heimhof bis zur Vinzirast.
Schmid erläutert sehr detailliert die Phasen und ihre jeweiligen Schwerpunkte und stellt mehr als 40 Beispielprojekte relativ genau dar, inklusive neu erstelltem, detailliertem Planmaterial, in dem die privaten und gemeinschaftlichen Flächen erkennbar sind. Die Entwicklung endet (vorläufig) bei Schmid allerdings nicht bei den großartigen Wohn- und Kulturprojekten wie Kalkbreite, mehr als wohnen!, Sargfabrik oder Wohnprojekt Wien (wo immerhin der quantitative Schwerpunkt der Beispiele liegt), sondern mit Co-Living, einem Modell, bei dem das gemeinschaftliche Wohnen wieder zum Anlageobjekt wird, was davor von vielen dieser Projekte gerade vermieden werden wollte. Wie nachvollziehbar diese Darstellung der Entwicklung ist, sei dahingestellt...
Immerhin schließt Schmid mit einem Ausblick auf vier Handlungsebenen, mit denen sie das zukünftige Potenzial solcher Projekte diskutiert: Einflussnahme der BewohnerInnenschaft (marktbestimmt versus mitbestimmt), Überlagerung von Räumen und Nutzungen (temporär versus permanent), Zusammenleben in der Gemeinschaft (heterogen versus homogen) und Flexibilität der Aneignung (teilen versus besitzen). Abschließend zitiert sie Elinor Ostrom: "Es gibt keine Gemeingüter ohne gemeinsames Tun."

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